Braulio Carrillo Nationalpark

File 813Der 1978 eingerichtete Nationalpark Braulio Carrillo hat eine Fläche von 44.000 ha und gehört damit zu den größten des Landes (geöffnet tägl. 8-16 Uhr). Lediglich um die 30 km nördlich von San José kommt man in ein Gelände, dass bedingt durch die unterschiedlichen Höhenlagen mehrere diverse Vegetationszonen bietet, in denen dichter, ursprünglicher Urwald, grandiose Wasserfälle, reißende Flüsse und tiefe Schluchten eine naturbelassene Vielfältigkeit zum Besten geben. Er ist in 3 Sektoren aufgeteilt, den Sektor Zurquí, Sektor Carrillo (Quebrada Gonzalez) und Sektor Volcano Barva.

File 750Von San José oder auch Heredia verkehren täglich mehrere Busse zum Nationalpark. Seinen Namen verdankt er übrigends dem damaligen Präsidenten Braulio Carrillo Colina (1835 – 1837), der den Kaffeeanbau einführte. Der Vulkan Barva mit einer Höhe von 2.905 m bildet den höchsten Punkt des Areals, bis hinunter zu den reichlich bewachsenen Feuchtgebieten an der Pazifikküste lässt sich somit ein Höhenunterschied von beinah 3.000 m ausmachen. Zu mehr als 80 % besteht die Landschaft noch aus unberührtem Primärwald, das dichte Wachstum von Tieflandlandregenwald bis hin zu Bergregenwald lässt das Gelände manchmal schwer durchdringen. Aufgrund der unterschiedlichen Klimazonen findet sich hier einer der dichtesten Ballungsräume der costaricanischen Pflanzen- und Tierwelt. Die vielen Wanderwege im Park sind nach Schlangennamen benannt. Der Park verzeichnet nämlich über 70 Schlangenarten, worunter sich auch die Buschmeister, eine große und giftige Schlange aus der Familie der Grubenottern, befindet.
Die zahlreiche Wanderwege bieten einen ausgiebigen Einblick in die vorherrschende Flora, welche aus Bromelien, Riesenfarnen, Magnolien, Mahagonibäumen und vielen Orchideenarten besteht. Tiere wie Affen, Puma, Jaguar, Nasenbären, Faultiere, Schmetterlinge, Frösche, Quetzale, Kolibris, Tucane und allerlei Arten von Reptilien beleben das Terrain. Neben hohen Temperaturschwankungen ist diese Region eine der regenreichsten des ganzen Landes, selbst in der Trockenzeit von Dezember bis April fallen Niederschläge. Deshalb sollte man unbedingt darauf achten, sich mit regendichter und warmer Kleidung sowie geeignetem Wanderschuhwerk auszustatten. Eine seltene Pflanzenart hier ist die Gunnera, deren Spitzname auch "Sonnenschirm der Armen" ist. Bei dem hohen Niederschlagsaufkommen hier kann sie durchaus Schutz vor plötzlichen Regenfällen bieten.
Durch den Guápines-Highway wurde der Park in den 1980er Jahren in zwei Hälften geteilt. Die Verbindungstraße von San José nach Puerto Limón galt für Regierung und Industrie als unverzichtbar, beeinträchtigt jedoch durch Lärm und Schmutz die dort lebenden Pflanzen und Tiere. Immerhin konnten die Umweltschützer jegliche weiteren Baupläne unterbinden.
Am beliebtesten ist die Erkundung des Sektors Volcano Barva, auf einer Tagestour kann man den bereits seit tausenden von Jahren erloschenen Vulkan auf einem gut befestigten Pfad besteigen. Start sind die kleinen Ortschaften Sacramento oder San José de la Montaña. Oben auf dem Gipfel gibt es sogar die Möglichkeit zu campen. Generell sollte man so früh wie möglich anreisen, da der Himmel am Vormittag noch herrlich klar ist. Ferner kann man sich an dem unglaublich beeindruckenden Anblick der Nebelwolken, die langsam aus dem Regenwald aufsteigen, erfreuen. Im Vergleich zu den nahgelegenen Vulkanen Póas und Irazú ist diese Landschaft bei Touristen noch recht unbekannt, aber deshalb nicht weniger sehenswert. Zwei kleine Krater in der Nachbarschaft, die Laguna Barva und die Laguna Danta, beherbergen schöne Seen mit klarem Wasser.

Am Parkeingang im Dörfchen Sacramento weisen Schilder dorthin, der etwa 3 km lange Wanderpfad durch den Regenwald ist leicht zu passieren. Eine weitere Abzweigung führt zu einem lohnenswerten Mirador, wo man einen fantastischen Ausblick hat und die Ruhe der Umgebung genießen kann. Es gibt zwei recht gut frequentierte Rangerstationen im Park, von denen aus mehrere unterschiedlich lange Wanderpfade in die Wildnis führen. Dies ist zum einen die am Südende des Parks und ca. 18 km von San José liegende Rangerstation Zurquí. Zum anderen die Rangerstation Quebrada González, welche sich am nordöstlichen Ende des Parks befindet.