Geschichte Costa Rica

 

  Costa Rica in Präkolumbianischer Zeit
12.000 – 8.000 v. Chr. 
Früheste archäologische Funde wie paläoindianische Pfeilspitzen und Steinwerkzeuge bezeugen eine erste menschliche Besiedlung für das Gebiet des heutigen Costa Ricas.
2.000 v. Chr.  
Tongefäße und Tonfiguren lassen darauf schließen, dass Jäger und Sammler begannen Produkte anzubauen. Es bildete sich eine frühe Kommunen-Gesellschaft, in der Gemeinschaftseigentum und Gleichberechtigung herrschte.
500 v. Chr. 
Archäologische Funde wie Brunnen, Öfen und Grundmauern ergeben, dass sich sogenannte Kazikengesellschaften entwickelten. Kennzeichnend für diese sind der Aufbau eines Handelssystems sowie erste Territorialansprüche. Ein Kazike war der Häuptling an der Spitze einer hierarchischen Gesellschaft aus Schamanen, Kriegern, Arbeitern und Sklaven. Es entstanden Arbeiten aus Jade und Gold und bereits für diese Zeit kann der Maisanbau dokumentiert werden.
500 n. Chr.  Mit den Kazikengesellschaften als festen Bestandteil wurde die einstige Kommunengesellschaft abgelöst und durch ein strukturiertes Klassensystem mit politischen und religiösen Ämtern ersetzt. Sie betrieben Handel, führten Kriege und förderten den kulturellen Austausch mit anderen süd- und mittelamerikanischen Völkern. Diese Gesellschaftsform hielt sich bis ca. 1550, wohingegen auch heute noch Stämme existieren, die durch einen Kaziken vertreten werden.  
   
  Die Eroberung durch die Spanier
1502   Am 18. Oktober jenen Jahres legte Cristoph Kolumbus während seiner vierten Entdeckungsreise an der Atlantikküste vor der Insel Uvita nahe Puerto Limón an. Er bezeichnet das Gebiet als „Veragua“, doch erst seine schwärmenden Beschreibungen einer „costa rica“ (reichen Küste) gaben dem Land später seinen Namen. Weiterhin lockten seine Erzählungen über die mit Goldschmuck behangenen Ureinwohner, er pries das eroberte Gebiet als „Castillo de Oro“ (Goldene Burg), andere spanische Siedler, die nach seinem Tod um 1506 jedoch keine wertvollen Bodenschätze finden konnten. Die Küstengebiete im Osten und Westen wurden zunächst allmählich erkundet, nur temporär Dörfer gegründet und die dort lebende indigene Bevölkerung als Arbeiter missbraucht. Die Unzugänglichkeit des dichtbewaldeten und bergigen Landes und auch der Widerstand der Ureinwohner erschwerten die Gründung dauerhafter Kolonien. 
1505  So scheiterte die unter dem von der spanischen Krone eingesetzten Gouveneur Diego de Nicuesa Expedition an der kriegerischen Gegenwehr der Einheimischen und an nicht zu bewältigenden Tropenkrankheiten.  
1522  Ein zweiter Versuch unter Gil González Davila von Panama aus trug reichlich Gold ein, da die Bevölkerung ihres Goldschmucks beraubt sowie zwangschristianisiert wurde. Durch seine Erfolge etablierte er den Namen „Costa Rica“, doch war auch dieses Unternehmen nicht von Dauer.  
1528  Die spanische Siedlung Bruselas an der Ostseite des Golfes von Nicoya wurde auf Befehl von Francisco Fernández de Córdoba gegründet. Das zunächst freundschaftliche Verhältnis zu den Ureinwohnern, den Chorotega, schlug durch die Besatzermentalität der Spanier schon bald ins Gegenteil um, was mit der Zerstörung der Siedlungen durch die Indios endete. 
1540 Costa Rica, das bisher Panama unterstand, wurde schließlich der Audiencia de Guatemala angeschlossen und damit von Guatemala aus verwaltet. So wurden die Kolonialisierungsbemühungen zunächst zurückgestellt und dem Land als Durchgangsgebiet für den Handel zwischen Panama und Guatemala eine untergeordnete Rolle zugeteilt. 
   
  Zweite Kolonialisierungsphase
1550 Die Spanier drangen nun mehr ins Landesinnere ein und unterwarfen die Ureinwohner weitestgehend mit Gewalt, teils aber auch friedlich. Es wurde das sogenannte Auftragssystem eingeführt, das jedem Spanier eine bestimmte Anzahl von Einheimischen zuwies und damit in seine Dienste stellte. Dabei gingen viele Dialekte und religiöse Bräuche verloren. Außerdem entstand die sogenannnte Mestizenklasse (Vermischung der spanischen Einwanderer mit der indigenen Bevölkerung).  
1562  Durch Juan Vázquez de Coronado wurde die erste Stadt Castillo de Garcimunoz gegründet, sie wird mehrere Male verlagert bis sie sich in der Region des heutigen Cartago etablierte. Um 1565 erhielt die Stadt ein Wappen und blieb bis 1823 Hauptstadt von Costa Rica. Da das Land weiterhin von Guatemala aus verwaltet wurde und sich dort das Wirtschaftszentrum befand, blieb die Kolonie lange eine der ärmsten ganz Amerikas.  
1665  Weizen und Tabak wurden angebaut und exportiert. An der Westküste entstanden Kakaoplantagen. Wiederholte Plünderungen durch Piraten veranlasste die spanische Regierung die Häfen zu schließen, wodurch der Handel verkümmerte und die Region von Schmugglern und Piraten unterwandert wurde.
1717 wurde die Stadt Heredia, 1737 San José und 1782 Alajuela gegründet.  
   
  Unabhängigkeit 
1821  Am 15. September jenen Jahres erklärte Guatemala seine Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Spanien und ebnete damit auch Costa Rica den Weg in die Eigenständigkeit. Im Gegensatz zu anderen mittelamerikanischen Ländern, die sich der Zentralamerikanischen Konförderation anschlossen, entschied sich Costa Rica zunächst für die Eingliederung in das Mexikanische Reich unter Agustín de Iturbide. Erst von 1823 bis 1839 gehörte es der Konförderation an.  
1824  Der bis 1833 regierende Präsident Juan Mora Fernández (Vater des Journalismus) verlegt edie Landeshauptstadt nach San José, die sich zusammen mit Alajuela für eine liberale republikanische Verfassung aussprach. Cartago und Heredia dagegen waren imperialistisch und konservativ eingestellt. Die gegensätzlichen Parteien lieferten sich erbitterte Kämpfe, die 1823 in einem Bürgerkrieg gipfelten, der von den Republikanern gewonnen wurde. 
1825  Die erste Verfassung des freien Staates Costa Rica wurde verabschiedet und das Gebiet Guanacaste eingegliedert.

1830 Die Kaffeeproduktion und der Export verhalfen Costa Rica zu hohem wirtschaftlichen Aufschwung, die Mittelklasse gelang zu Wohlstand und es wurde in Bildung und liberale Demokratie investiert. 

1835  Braulio Carrillo Colina wurde Präsident und versuchte mit diktatorischen Mitteln liberale Reformen durchzusetzen. Als er eine zentralistische Verwaltung in San José und den Ausbau der Kaffeeproduktion plante, kam es zu einem Krieg zwischen dem Städtebündnis Heredia, Cartago und Alajuela gegen San José, der wiederum von San José gewonnen wurde. 
1838  Die Zentralamerikanische Konförderation brach zusammen und der amtierende Präsident José Maria Castro verkündete die freie und unabhängige Republik Costa Rica. Sein Nachfolger Juan Rafael Mora war einer der reichsten Kaffeearistokraten und brachte dem Land rapiden wirtschaftlichen Aufschwung. Er wurde zweimal wiedergewählt (1853, 1859) und kämpfte gegen den Amerikaner William Walker, der versuchte aus Mittelamerika eine US-amerikanische Kolonie zu machen. 
1870  Der General Tomás Guardia Gutiérrez übernahm nach einem Militärputsch die Macht. Während seiner Regierungszeit bis 1882 förderte er aus den Kaffeeeinnahmen den Bau von Straßen und öffentlichen Gebäuden, führte die kostenlose Schulpflicht ein und schaffte die Todesstrafe ab. Seine Unterstützung beim Ausbau der Eisenbahn verhalf dem Projektführer Minor Cooper Keith zu einem großen Stück Land, das er unter dem Namen United Fruit Company in eine erfolgreiche Bananenplantage verwandelte.  
   
  Der Weg in das 20. Jahrhundert
1890 Erstmals demokratisch wurde José Joaquín Rodríguez Zeledón zum Präsidenten gewählt. Weitere diktatorische und eher instabile Regierungen folgten: 1894 Rafael Yglesias Castro, 1902 Ascensión Esquivel Ibarra, 1906 Cleto González Vízquez, 1910 Ricardo Jiménez Oreamuno (wiedergewählt 1924-28, 1932- 36), 1914 Alfredo Gonzalez Flores, 1917 Federico Tinoco Granados und von 1928 – 32 Gonzalez Visquez.
1939-45 Da sich durch den Ersten Weltkrieg die Wirtschaft stark verschlechtert hatte, war die folgende Zeit von Unruhen geprägt, in der die gesellschaftliche Kluft zwischen Reichen und der verarmten Arbeiterklasse stetig wuchs. Der amtierende Präsident León Cortés (1936-40) sympathisierte zwar mit dem Nationalsozialismus und als erstes mittelamerikanisches Land trat Costa Rica 1941 in den Zweiten Weltkrieg ein, kämpfte allerdings auf der Seite der Alliierten.
1940-44 Während der Amtszeit Rafael Angel Calderón Guardia wurden einige Sozialreformen realisiert, zu denen u. a. Arbeitnehmerrechte wie Mindestlohn, bezahlter Urlaub und Arbeitslosenversicherung gehörten.
1945 Unter José Mariá Figueres Ferrer („Don Pepe“, wiedergewählt 1953-58, 1970-74) wurde der Partido Liberación Nacional (PLN) gegründet. Das Land teilte sich in zwei Lager, die Figueristas und die Calderonistas, welche auch heute noch die politische Landschaft mitprägen.
1949 Figueres übergibt zunächst die Führung an den gewählten Präsidenten Otilio Ulate, liess die Armee per Verfassung abschaffen und investierte stattdessen das Geld in das Bildungs- und Gesundheitswesen. Über Jahrzehnte beherrschte er als Führer der PLN die Politik. Die PLN und die Christdemokraten sollten sich in den folgenden Jahren regelmäßig in der Macht abwechseln
1979 Im Nachbarland Nicaragua brach Bürgerkrieg aus, die Sandinisten stürzten die Somoza-Diktatur. Costa Rica wurde dadurch zum Rückzugsgebiet für von der CIA unterstützte Contragruppen und Flüchtlinge. Eine schwere Wirtschaftskrise folgte, die von Inflation und sinkenden Kaffee-, Bananen- sowie Zuckerpreisen geprägt wurde.
1983  Präsident Luis Alberto Monge erklärte die „unbewaffnete Neutralität“ Costa Ricas, womit es zu Spannungen mit den USA kam 
1986 Präsident Oscar Arias Sánchez setzte sich für die Wiederherstellung des Friedens in der Region ein und wurde 1987 mit dem Friedensnobelpreis geehrt.
1994 Rafael Angel Calderón Fournier, der Sohn von Rafael Angel Calderón Guardia (1940-44)wurde als Präsident von José María Figueres, dem Sohn seines politischen Gegners, abgelöst. Wegen seiner Neutralität und des Wohlstandes erhielt das Land die Benennung „Schweiz Südamerikas“. Es folgten die Präsidenten Miguel Angel Rodríguez und Abel Pacheco.
2006 Oscar Arias Sánchez wurde erneut wiedergewählt und im Februar 2010 von Laura Chinchilla, die damit als erste Frau in einem Präsidentschaftsamt agiert, abgelöst.