Internationaler Park La Amistad

File 846Die besondere Benennung des Parkes La Amistad (span. Freundschaft) ergab sich aus der gemeinschaftlichen und um 1988 geschehenen Einrichtung eines weitreichenden Schutzgebietes der Länder Costa Rica und Panama zusammen. Mit seiner Fläche von mehr als 400.000 ha ist es das größte landschaftliche Schutzgebiet Costa Ricas, wobei der größere Part noch in Panama liegt. 1990 wurde der Park von der UNESCO als Weltnaturerbe deklariert. Außerdem gehört er einer landesübergreifenden Organisation an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die biologischen Korridore Nord- und Südamerikas zu studieren und zu erhalten.

Als Teil der Talamanca-Bergkette findet sich hier wie auch im Chirripó Nationalpark eine biologische Vielfalt und Dichte, die durch die Höhenunterschiede und ihre Vegetationen hervorgerufen wird. Auf 3.000 m wachsen karge, struppige und niedrige Pflanzen, die charakteristisch für den Páramo sind. In tieferen Lagen reifen prächtige und beeindruckende Eichenbäume und dichter Nebelwald. Im Tiefland stößt man auf fruchtbaren Regenwald, der hauptsächlich von Zedern, Zypressen und Eichen bestanden ist. Das dichte Unterholz schließlich ist geprägt von Palmen, Farnen und Epiphyten.

Eine noch nicht im touristischen Sinne ausgereifte Wegevernetzung lässt hier weniger Besucher anreisen als in die populäreren Gebiete  Monteverde oder Manuel Antonio. Somit finden hier interessierte und mutige Naturfreunde noch einsame Wanderpfade durch ursprünglichen Dschungel. Die Parkverwaltung ist in Altamira, von dort aus schlängeln sich auch die meisten Wanderwege in den Wald. Altamira ist mit allen Bussen zu erreichen, die zwischen San Isidro und San Vito verkehren. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit dort zu campen, Sanitäranlagen, Trinkwasser, elektrisches Licht und ein Aussichtsturm stehen zur Verfügung. Eine interessante kleine Insektenausstellung zu Nacht- und Tagfaltern wurde dort von Forschern zusammengestellt. Altamira befindet sich im Parksektor Biolley und ist die am besten ausgestattete Wanderstation. Der Sektor Santa Maria enthält Routen zum Río Telire und Cerro Cabécar, im Sektor Pittier finden sich kleinere Wege in der Umgebung und ein Pfad zum Cerro Pittier.

Der größte Bereich des Parks liegt oben in den Talamanca-Bergen und ist praktisch unzugänglich. Über mehrere Jahrtausende konnte sich die Vegetation hier ungestört entfalten. Dort leben mehr als 80 Säugetierarten, darunter das landesweit größte Aufkommen des Baird-Tapir. Hinzu kommen alle 6 subtropischen Katzenarten: Jaguar, Puma, Margay, Ozelot, Tigerkatze und die seltene Wieselkatze. Desweiteren wurden über 500 Vogelarten registriert, wovon nur etwa 45 in dieser Gegend vorkommen. Unter ihnen die seltene und körperlich beeindruckende Harpyie, die mit ihren Klauen Affen und Faultiere aus dem Unterholz erbeutet. Unter Schutz stehen weitere 120 Fischarten, ca. 220 verschiedene Reptilien und Amphibien mit unzähligen Eidechsen sowie eine überaus große Anzahl von Insektenarten. Der "Los Gigantes del Bosque" ist ein etwa 3 km langer Rundweg, der an der Rangerstation Altamira startet, und nach seiner Hauptattraktion, den 50 m hohen Bäumen, den Giganten des Waldes benannt wurde. Unterwegs trifft man auf 2 Aussichtspunkte mit Blick auf die Landschaft außerhalb des Parks.

Ein sehr herausfordernder und abenteuerlicher Weg ist der "Valle del Silencio", der sich im Sektor Tres Colinas befindet. An der Station Altamira geht es los und endet nach 20 km am Fusse des Cerro Kamuk (3550 m). Man passiert hier eine der unberührtesten und abgelegensten Regionen des ganzen Landes, eine gute Kondition und ausreichend Verpflegung sollte im Voraus bedacht werden. Außerdem ist ein ortskundiger Führer auf dieser Strecke unentbehrlich. Dies gilt ebenso für die Besteigung des Cerro Kamuk, der Anstieg dauert bis zu 3 Tage, der Abstieg ganze 2. Wer diese Herausforderung sucht, sollte bedenken, dass Verpflegung und Campingausrüstung selbstständig mitzuführen ist. Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch in einem der Indianerreservate, die an den Park grenzen. Es gibt keine touristischen Wegführungen dahin, allerdings vermittelt die gemeinnützige Organisation ATEC einen Besuch bei den Stämmen der Cabécar oder Bribrí, eine der wenigen Nachkommen der costaricanischen Ureinwohner. Auf der Seite Panamas findet man Reservate der Teribe und Guaymi, die ebenfalls ihre traditionelle Lebensweise fortführen.