Nationalpark Palo Verde

File 831Der Nationalpark Palo Verde befindet sich auf der Halbinsel Nicoya nördlich des Golfes von Nicoya und umfasst eine Fläche von ca. 18.000 ha (geöffnet tägl. 8-18 Uhr). Er ist ein geschütztes Feuchtgebiet und liegt in Costa Ricas trockendster Gegend, nämlich der Provinz Guanacaste. Der Eingang befindet sich in dem kleinen Städtchen Bagaces. Die nächstgelegene größere Stadt ist Las Cañas ca. 30 km südwestlich des Parks.

Um weitreichende Informationen zur Vegetationswelt des Gebietes zu erlangen, bietet sich hervorragend die Forschungsstation Hacienda Palo Verde an. Sie befindet sich ca. 8 km vom Parkeingang entfernt und ist mithilfe von Beschilderungen einfach zu erreichen. Das Institut für Tropenforschung gibt auch Universitätskurse. Für Gäste, die dort übernachten möchten, ist eine geführte Wanderung durch die Parklandschaft inbegriffen. Etwa 2 km im Anschluss folgt die Rangerstation Palo Verde und die Parkverwaltung.

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Der Nationalpark liegt direkt am Río Tempisque, der weiter südlich in den Golf von Nicoya mündet. Er ist bei Ornithologen sehr beliebt, da der Fluss Lebensraum unzähliger Wasservögel ist. Hier findet sich mit über 300 gezählten Arten die größte Dichte an Wasser- und Küstenvögeln ganz Mittelamerikas. Vor allem um die Brutgebiete der Vögel zu schützen, wurde der Park gegründet. Die Trockenzeit von Dezember bis März bietet beste Voraussetzungen um die Vogelschwärme an den noch vorhandenen Seen und Sümpfen versammelt zu sehen. Auch hat man in dieser Zeit die Möglichkeit die aus dem Norden kommenden Zugvögelschwärme zu sichten.

An die Wasserstellen und seichten Lagunen kommen allerdings auch Wildtiere, so dass man reichlich zu sehen bekommt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einen Ausflug zur Vogelbeobachtung mit dem Kajak zu organisieren. Vielfach werden auch Bootstouren angeboten, besonders empfehlenswert während der Regenzeit, da eine Überschwemmung des Flussufers die Wanderpfade unzugänglich macht. Die Vegetation des Parks setzt sich zusammen aus vielen Hektar Marschland, einigen der letzten Bestände tropischen Trockenwaldes in ganz Mittelamerika und Mangrovensümpfen. Verschiedentlich angelegte Wanderpfade führen durch die Landschaft. Nicht selten endet ein solcher Pfad an einem Aussichtspunkt oder Beobachtungsturm. Mehr als 200 Baumsorten wachsen in diesem Gebiet, darunter der namensgebende palo verde (= grüner Stamm), eine kleine und immergrüne Staude.

Besonderheiten bei der Vogelbeobachtung sind hier die Kolonien von Reihern, Störchen und Enten. Sehr gern aber selten gesehen, wird der Rosalöffler aus der Familie der Ibisse und der bis zu 1,20 m große Jabiru, ein Storchenvogel, der nur in Mittel- und Südamerika vorkommt und durch seine Flügelspannweite von 2,60 m beeindruckt. Auch unter den Waldvögeln lassen sich interessante Exemplare wie Papageien, Aras, Hokkos und Tukane beobachten.

Weiterhin leben im Park Krokodile, Leguane, einige Affenarten wie der Brüllaffe und Kapuzineraffe, Hirsche, Gürteltiere, Pekaris, Nasenbären, Kojoten und eine selten große Population an Wieselkatzen. Der Park ist zusammen mit dem nördlich gelegenen Refugio de Vida Silvestre Dr. Rafael Lucas Rodríguez Caballero, der Reserva Biológica Lomas de Barbudal und dem Nationalpark Barra Honda Teil eines rießigen Schutzgebietes, das die noch verbliebenen Trockenwälder in der Gegend erhalten soll. In das Schutzgebiet, das unter dem Namen Area de Conservación Tempisque bekannt ist, sollen noch mehr Areale integriert werden, so z. B. das Refugio de Vida Silvestre Cipancí. Dadurch sollen die isolierten Korridore zwischen den Parks vor der Rodung durch einheimische Bauern bewahrt werden.

Im angrenzenden und ca. 2.600 ha großen Reserva Biológica Lomas de Barbudal werden mehrere vom Aussterben bedrohte Baumarten wie Mahagoni, Rosenholz und eine im März herrlich gelb blühende Pflanze namens Corteza amarilla geschützt. Wer es schafft in dieser Zeit unter den Besuchern zu sein, erlebt wie der Wald in ein leuchtend gelbes Blütenmeer getaucht wird. Außerdem leben in diesem kleinen Reservat zahlreiche Arten von Insekten wie Hautflügler, Nacht- und Tagfalter, Heuschrecken und spektakuläre 250 Bienenarten. Das sind um die 20% aller weltweit vorkommenden Arten. Unter ihnen auch die Killerbiene, vor der sich Allergiker ausreichend schützen sollten. Die Wanderwege sind hier nicht so zahlreich wie in Palo Verde, doch vom Informationszentrum aus, wo man auch eine Wanderkarte erhält, führen einige strahlenförmig in das Gebiet hinein.